Wie viele Kalorien hat eine Ofenkartoffel?
Der Mann vor der Klappe hält uns sein Handy hin, als wäre es ein Beweisstück. Eine Kalorien-App, oben ein grüner Balken, der schon ziemlich weit ist.
„Ich zähle gerade. Darf ich so was überhaupt essen?“
Andrea schaut auf die Kartoffel, die Michael in dem Moment aus dem Ofen holt. Die Schale knistert noch. „Kommt drauf an, was du sonst essen würdest.“
„Nudeln. Meistens.“
„Dann ja.“
Er glaubt ihr nicht. Die Kartoffel hat einen Ruf als Dickmacher, und der hält sich hartnäckig. Also haben wir nachgeschaut.
Was drinsteckt
Die Werte stammen aus der Nährwertdatenbank des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) und gelten für 100 Gramm, fertig gegart, ohne Salz und ohne Topping.
| je 100 g | Kalorien | Fett | Kohlenhydrate | Eiweiß |
|---|---|---|---|---|
| Ofenkartoffel mit Schale | 93 kcal | 0,1 g | 21,1 g | 2,5 g |
| Reis, weiß, gekocht | 130 kcal | 0,2 g | 28,7 g | 2,4 g |
| Nudeln, gekocht | 158 kcal | 0,9 g | 30,9 g | 5,8 g |
| Pommes, frittiert | 312 kcal | 14,7 g | 41,4 g | 3,4 g |
Reis hat also rund 40 Prozent mehr Kalorien als die Ofenkartoffel, Nudeln sogar 70 Prozent. Bei den Kohlenhydraten liegt die Kartoffel ein gutes Viertel unter Reis und fast ein Drittel unter Nudeln. Wer seinen Teller nach Gewicht füllt, bekommt mit Kartoffeln einfach mehr auf die Gabel.
Low Carb ist sie deshalb noch nicht. 21 Gramm Kohlenhydrate sind 21 Gramm, da wollen wir niemandem etwas vormachen. Aber als Beilage ist sie die leichtere Wahl.
Die Pommes stehen nicht zufällig in der Tabelle
Unsere Lady Anna gilt unter Kartoffelleuten als Pommessorte. Dieselbe Knolle, die wir im Ganzen backen, landet anderswo in der Fritteuse. Was dabei passiert, sieht man in der letzten Zeile: Aus 0,1 Gramm Fett werden fast 15, aus 93 Kalorien werden 312.
Das liegt nicht an der Kartoffel. Das liegt am Öl.
Im Ofen braucht sie keins. Sie liegt 80 Minuten bei 180 Grad und gart in ihrer eigenen Schale. Die wird dabei knusprig, das Innere locker, und Fett kommt erst dazu, wenn wir es draufgeben.
Satt werden ist auch eine Zahl
1995 haben Forscher der Universität Sydney 38 Lebensmittel verglichen. Jede Portion hatte genau 240 Kalorien, und die Testpersonen sollten zwei Stunden lang angeben, wie satt sie sich fühlten. Weißbrot war der Maßstab mit 100 Prozent.
Gekochte Kartoffeln kamen auf 323 Prozent. Das war der höchste Wert im ganzen Test, deutlich vor Fisch und Haferbrei. Das Croissant landete bei 47.
Getestet wurden gekochte Kartoffeln, keine gebackenen. Die Knolle ist aber dieselbe, und viel Wasser und Ballaststoffe hat sie so oder so.
Platz auf dem Teller
Eiweißreich ist die Kartoffel nicht, 2,5 Gramm auf 100 Gramm reißen nichts heraus. Ihr Eiweiß ist für eine Pflanze aber erstaunlich gut verwertbar. Mit Ei kombiniert erreicht es eine biologische Wertigkeit von rund 136, das ist mehr als Ei allein.
Interessant für alle, die auf Eiweiß achten, ist aber etwas anderes. Weil die Kartoffel so wenig Energie mitbringt und trotzdem satt macht, bleibt im Kalorienbudget Platz für das, was obendrauf kommt. Bei uns ist das zum Beispiel Bolognese oder ein Berg Baked Beans.
Und ja, Butter, Cheddar und Sour Cream zählen auch. Die Kartoffel kann nichts dafür, aber sie sagt auch nicht nein.
Zurück an der Klappe
Der Mann mit dem Handy hat sich für die Kartoffel mit Baked Beans entschieden. Er tippt noch etwas in seine App, bevor er reinbeißt, dann steckt er das Handy weg.
Beim nächsten Stopp war er wieder da. Das Handy blieb diesmal gleich in der Tasche.
Was es gerade gibt, steht in der Speisekarte. Wo wir als Nächstes stehen, im Tourplan.
Quellen: USDA FoodData Central (Ofenkartoffel mit Schale, FDC 170093; Reis weiß gekocht, FDC 168932; Nudeln gekocht, FDC 169737; Pommes frittiert, FDC 170698). Holt, S. H. et al.: A satiety index of common foods. European Journal of Clinical Nutrition, 1995.
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